Was KI heute zuverlässig kann — und was nicht
Sprachmodelle sind gut in drei Dingen: Sie verstehen Text, auch unordentlichen, in vielen Sprachen und Formaten. Sie bringen ihn in Struktur — Kategorie, Felder, Zusammenfassung, Bewertung nach Kriterien. Und sie entwerfen Text, der zu einer Vorgabe passt: eine Antwort, eine Beschreibung, ein Anschreiben, einen Bericht. Alle drei Fähigkeiten arbeiten auf Vorgängen, die in Unternehmen täglich in großer Zahl anfallen, und bei allen dreien ist das Ergebnis ein Vorschlag, den ein Mensch in Sekunden prüfen kann. Das ist der Grund, warum die Einsatzfelder oben funktionieren: Nicht weil die KI klüger wäre als der Mitarbeiter, sondern weil sie die ersten achtzig Prozent jedes Vorgangs übernimmt, die vorher Routine waren.
Was ein Sprachmodell nicht kann: Fakten garantieren. Es formuliert flüssig, auch wenn es falsch liegt, und es weiß nicht, was es nicht weiß. Es rechnet unzuverlässig, wenn es ohne Werkzeuge rechnen soll. Und es kennt Ihr Unternehmen nicht — Ihre Artikel, Ihre Preise, Ihre Regeln, Ihre Kunden —, solange niemand es damit verbindet. Daraus folgen drei Regeln, die wir in jedem Projekt anwenden: Die KI wird an Ihre eigenen Daten gebunden und zitiert sie, statt aus dem Gedächtnis zu antworten. Was rechnet, rechnet das System, und die KI bekommt das Ergebnis. Und jede Ausgabe mit Außenwirkung — eine Mail an den Kunden, ein Angebot, ein Produkttext im Shop — geht über eine Freigabe, zumindest solange, bis die Fehlerquote im Pilot gemessen ist und Sie entscheiden, wo sie ohne Freigabe laufen darf.
Der Unterschied zwischen einem Werkzeug, das im Alltag hilft, und einem, das nach drei Wochen niemand mehr benutzt, liegt selten im Modell. Er liegt in der Anbindung: Hat die KI den Artikelstamm, die Ticket-Historie, die Preisliste? Steht der Vorschlag dort, wo der Mitarbeiter ohnehin arbeitet — im Ticketsystem, im Shop-Backend, im ERP — oder in einem weiteren Fenster? Wird protokolliert, was sie vorgeschlagen und was der Mensch geändert hat, damit sich beides verbessern lässt? Das sind Fragen der Softwareentwicklung und der Schnittstellen, nicht der KI. Deshalb sitzt das Thema bei uns dort, wo auch Prozessdigitalisierung und Individualsoftware sitzen.
Anbindung an Shop, ERP und CRM: KI als Baustein, nicht als Insel
Ein KI-Einsatz, der etwas bringt, hat drei Teile: die Daten, das Modell und den Ort, an dem das Ergebnis landet. Die Daten kommen aus den Systemen, die Sie haben — Shopware oder Magento, TYPO3 oder WordPress, ein ERP wie Sage, Microsoft Dynamics, SAP Business One oder ein Branchensystem, ein CRM, das Ticketsystem, Ihr Mailserver. Wir kennen diese Schnittstellen aus mehr als 250 Projekten seit 1999 und bauen sie so, dass die KI liest, was sie braucht, und nur das. Das Modell wählen wir nach Aufgabe und Datenschutzanforderung: ein großes Modell eines Anbieters über eine Schnittstelle, ein offenes Modell auf unseren Servern, oder für einfache Klassifikation ein kleines, das in Millisekunden antwortet und nichts kostet.
Das Ergebnis muss dort landen, wo gearbeitet wird. Für Shopware heißt das eine Erweiterung im Administrationsbereich, die den Produkttext-Vorschlag neben dem Artikel zeigt; für TYPO3 ein Backend-Modul; für ein ERP ein Feld oder ein Vorgang mit Status „vorgeschlagen“. Für Abläufe zwischen Systemen nutzen wir eine Automatisierungsplattform wie n8n auf unseren Servern oder bauen den Ablauf als eigenen Dienst, mit Warteschlange, Wiederholung bei Fehlern und einem Protokoll, in dem jeder Schritt nachvollziehbar ist. Freigaben sind ein eigener Schritt im Ablauf, kein Hinweis in einer Mail. Und wenn das Modell einmal nicht antwortet, läuft der Prozess ohne KI weiter, wie vorher — nur eben langsamer.
Wer bereits KI einsetzt, etwa über ein Plugin oder einen Dienst mit Abo, steht oft vor einem anderen Problem: Es läuft, aber niemand weiß, welche Daten dorthin gehen, was es im Monat kostet und ob die Ergebnisse besser werden. Wir prüfen solche Lösungen, messen Kosten und Fehlerquote und sagen, ob sie bleiben sollten, angebunden werden müssen oder durch etwas Eigenes ersetzt werden, das Ihnen gehört. Der Code liegt am Ende in einem Git-Repository, das Ihnen gehört, die Domain immer auf Ihren Namen. Das gilt für KI-Bausteine wie für alles andere, was wir bauen.
Was KI nicht entscheiden sollte
Es gibt Vorgänge, in denen die KI vorsortieren und vorformulieren darf, die Entscheidung aber bei einem Menschen bleibt — nicht aus Vorsicht, sondern weil Fehler dort nicht rückholbar sind oder weil das Gesetz es verlangt. Dazu gehören alle Entscheidungen über Menschen: Bewerbungen, Beurteilungen, Kündigungen, Kreditwürdigkeit. Die KI-Verordnung stuft KI-Systeme im Personalbereich als Hochrisiko ein, und die DSGVO verbietet in Artikel 22 automatisierte Entscheidungen mit rechtlicher Wirkung ohne menschliche Beteiligung. Eine KI darf also Bewerbungen nach formalen Kriterien ordnen, die Sie festgelegt haben; sie darf nicht entscheiden, wer eingeladen wird.
Dazu gehören Preise und Konditionen, sofern sie nicht nach hinterlegten Regeln gebildet werden: Ein Modell, das ein Angebot „angemessen“ bepreist, rät. Ein System, das Ihre Kalkulationsregeln anwendet und die KI nur die Beschreibung schreiben lässt, rechnet. Dazu gehören Rechtsfragen — Vertragsklauseln, Kündigungsfristen, Mahnungen mit rechtlicher Wirkung — und alles, was Zusagen gegenüber Kunden enthält, etwa Liefertermine oder Garantien. Für diese Fälle bauen wir den Vier-Augen-Schritt fest ein: Die KI liefert den Entwurf und die Begründung, der Mensch gibt frei, und beides wird protokolliert.
Eine Grenze anderer Art ist die Erwartung. KI macht einen schlechten Prozess nicht gut, sie macht ihn schneller schlecht. Wenn Anfragen in fünf Postfächern landen und niemand zuständig ist, hilft ein Modell, das die Anfragen liest, zunächst nichts. Deshalb beginnt jedes Projekt bei uns mit dem Prozess, nicht mit dem Werkzeug: Wer macht heute was, wo bleibt es liegen, welche Information fehlt an welcher Stelle. Oft ist der erste Schritt eine Schnittstelle oder ein Formular mit Pflichtfeldern, und die KI kommt im zweiten. Das ist weniger spektakulär, aber es ist der Grund, warum Prozessdigitalisierung bei uns seit Jahren funktioniert.
DSGVO, KI-Verordnung und Datenhoheit
Die erste Frage bei jedem KI-Einsatz: Welche Daten verlassen das Haus, und wohin? Ein Support-Ticket enthält Namen, Adressen und manchmal mehr; eine Bestellung enthält Kundendaten; ein Vertrag enthält Geschäftsgeheimnisse. Geht so etwas an einen Anbieter in den USA, braucht es einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO, eine Rechtsgrundlage für die Übermittlung und die Zusicherung, dass die Daten nicht zum Training verwendet werden. Große Anbieter bieten das in ihren Unternehmenstarifen an, mit Rechenzentren in der EU; die Standardangebote für Privatnutzer bieten es nicht. Wir prüfen das je Anbieter und Tarif und dokumentieren es für Ihr Verarbeitungsverzeichnis. Was keinen Anbieter braucht, bekommt keinen: Vieles lässt sich mit pseudonymisierten Daten erledigen, bei denen Namen und Kundennummern vor dem Modell durch Platzhalter ersetzt und danach wieder eingesetzt werden.
Die andere Möglichkeit ist, das Modell ins Haus zu holen. Offene Modelle laufen auf unseren eigenen Servern im Hetzner-Rechenzentrum Falkenstein, Deutschland, auf unserem Proxmox-Cluster mit Docker, Monitoring und Backups. Dann verlassen die Daten Ihre Umgebung nicht, es gibt keine Abhängigkeit von Tarif und Preisliste eines Anbieters, und die Kosten sind planbar. Für Klassifikation, Extraktion aus Dokumenten, Zusammenfassungen und Suche über eigene Dokumente reichen diese Modelle heute aus; für anspruchsvolle Texte in Kundensprache sind die großen Anbieter-Modelle oft noch besser. Welche Kombination passt, entscheidet sich im Pilot, mit Ihren Daten und gemessen, nicht nach Datenblatt.
Die KI-Verordnung der EU, international AI Act genannt, ist seit August 2024 in Kraft und gilt in Stufen. Seit Februar 2025 sind bestimmte Praktiken verboten, und Unternehmen müssen dafür sorgen, dass Mitarbeitende, die KI einsetzen, ausreichend KI-Kompetenz haben. KI-Systeme, die mit Menschen interagieren, müssen als solche erkennbar sein — ein Beratungsassistent im Shop stellt sich also als KI vor. Hochrisiko-Anwendungen, etwa im Personalwesen, unterliegen besonderen Pflichten. Die Einsatzfelder auf dieser Seite liegen ganz überwiegend außerhalb des Hochrisikobereichs; wo ein Vorhaben in seine Nähe kommt, sagen wir es vorher. Die rechtliche Bewertung liegt bei Ihnen und Ihrem Datenschutzbeauftragten; wir liefern die technische Grundlage: welche Daten wohin fließen, was protokolliert wird und wie der Mensch in der Schleife bleibt.
Der Einstieg: ein Prozess, ein Pilot, messbare Zahlen
Der Einstieg beginnt nicht mit einer KI-Strategie, sondern mit einem Prozess. Wir suchen ihn gemeinsam nach drei Kriterien aus: Er kommt oft vor, er kostet heute spürbar Zeit, und die Daten, an die sich die KI binden muss, sind vorhanden oder mit vertretbarem Aufwand zu beschaffen. Häufig ist das der Posteingang, die Artikelpflege oder das Auslesen von Bestellungen und Belegen. Für diesen einen Prozess legen wir fest, was gemessen wird: Minuten je Vorgang, Anteil der Vorschläge, die ohne Änderung übernommen werden, Durchlaufzeit, Fehler, die bis zum Kunden kommen. Ohne diese Zahlen lässt sich hinterher nicht sagen, ob es sich gelohnt hat.
Der Pilot läuft mit echten Daten und echten Mitarbeitern, auf einem abgegrenzten Teil — eine Produktgruppe, ein Postfach, eine Lieferantenliste. Vier bis sechs Wochen reichen meist, um die Fehlerquote zu kennen und zu sehen, ob die Kollegen das Werkzeug benutzen oder umgehen. Beides sind Ergebnisse. In dieser Zeit stellen wir das Modell, die Anbindung und die Vorgaben so lange nach, bis die Zahlen stimmen oder klar ist, dass sie es nicht tun. Dann entscheiden Sie: ausrollen, anpassen oder lassen. Was ausgerollt wird, geht in den Betrieb wie jede andere Software bei uns: mit Monitoring, Protokoll, Updates der Modelle und Abhängigkeiten und auf Wunsch mit einer Service-Level-Vereinbarung.
Für den Betrieb gilt dasselbe wie bei Shops und Websites: Wartung mit SLA in den Stufen BASIC, STANDARD und ADVANCED mit 24, 8 oder 4 Stunden Reaktionszeit, jeweils für ein Jahr gebucht; die Arbeit nach Aufwand oder im vereinbarten Rahmen mit Stunden. Ohne Vereinbarung bearbeiten wir Anfragen innerhalb von 48 Stunden in unseren Geschäftszeiten Mo–Do 9:00–16:00 Uhr, Fr 9:00–13:00 Uhr. Sharpness gibt es seit 1999, mit einer IT-Haftpflichtversicherung und einem Team in Oldenburg, das Shops, Websites, Individualsoftware und Schnittstellen baut. KI ist für uns kein eigenes Geschäft, sondern ein weiteres Werkzeug in den Prozessen, die wir seit Jahren digitalisieren. Das ist, so glauben wir, die richtige Haltung dazu.